12:51 Uhr, Landtag Magdeburg. Tobias Rausch nimmt im Präsidium Platz.
48 von 83 Abgeordneten hatten den 35-Jährigen aus Staßfurt im ersten Wahlgang zum Präsidenten des Landtags von Sachsen-Anhalt gewählt. Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg steht damit wieder ein Politiker einer rechtsextremen Partei an der Spitze eines Landtags.
„MILCHTÜTENHÄUSER“ WERDEN BUNT
Mehrere Hundert Kilometer westlich: Brochterbeck. Wer über die Dörenther Straße fährt, sieht Regenbogenflaggen. Sechs, ganz oben auf der Dast, hängend an Balkonen und vor Fenstern.
„Von der Dörenther Straße sieht man sie ganz gut“, sagt Sören Gehrmann, 36, aus Münster, seit zwei Jahren in Brochterbeck. Er wohnt in einem der „Milchtütenhäuser“.
„Es wurde Zeit, ein Zeichen zu setzen!“
Gehrmann erzählte den Nachbarn von der Idee. Viele waren dabei. „Wir fanden: Jetzt müssen wir Farbe bekennen. Man hat das Gefühl: Alles passiert, aber irgendwie sagt keiner etwas oder macht etwas“, meint er. „Da wollten wir gegenwirken.“
STABILES BROCHTERBECK
Inzwischen wollen sich auch Menschen aus den Nachbarreihen anschließen, sagt Gehrmann, und die Reaktionen fielen bislang nur positiv aus, Brochterbeck sei auf der richtigen Seite – „Brochterbeck ist stabil“, findet er.
Das Dorf stehe für Demokratie und Vielfalt, sagt er, nicht zuletzt seit den Demonstrationen im Februar 2025.
Sie hoffen auf mehr. Mehr Flaggen, vielleicht auch andere politische Aktionen im Dorf. Denn: „Ihr seid nicht allein!“