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Brochterbecker Lehrerin: „Wie unwichtig ist dieser ganze Schei*ß eigentlich?“

  • RBO Aktuell
  • 1. Mai 2026
  • 2 minute read

Dieser Brief wurde geschrieben von Lisa Freude (41). Sie ist Autorin, schreibt in Brochterbeck, in einem Haus am Ortsrand. Liebt die Natur, machte ihre Leidenschaft zum Beruf – das schreiben. Davor war sie Gymnasiallehrerin. Hier schildert sie ihre Eindrücke und: Warum sie einfach nicht mehr konnte. Mehr solcher Beiträge lest ihr in ihrem kostenlosen Newsletter.

Der nachfolgende Brief schildert nur ihre persönlichen und subjektiven Erfahrungen.


Es ist jetzt fast zwei Jahre her, dass ich in meinem alten Job als Lehrerin einfach nicht mehr konnte. Permanenter Stress, immer höheres Pensum, das man irgendwie durchkriegen musste, obwohl ständig Unterricht ausfällt, völlig erschöpfte Schüler, genervte Kollegen, dreißig Stunden pro Woche für eine 25% Stelle und dann gesagt bekommen: „Bei Ihnen steht ja noch gar kein zusätzliches Engagement in der Liste.“

Und in den Weihnachtsferien bitte zwei Stapel Korrekturen erledigen, die Vorgaben für die Facharbeiten anpassen und den Kernlehrplan für Musik aktualisieren. Und dazu zwei Kleinkinder zu Hause, eines davon mit Pflegestufe 4. Der Kindergarten hat in den Weihnachtsferien übrigens GESCHLOSSEN. 

IN EINER MEINER LETZTEN STUNDEN …

… vor den Ferien musste noch eine Klassenarbeit geschrieben werden, Französisch, Klasse 7. Ich habe kurz versucht, neben Erklärungen und Ermahnungen an die – zugegeben, recht lebhafte Klasse – eine Klausur zu korrigieren, damit ich wenigstens „irgendetwas fertig kriege“ (so meine Denkweise damals). Keine Chance. Dafür war aber plötzlich etwas anderes in meinem Kopf.  Wie unwichtig ist dieser ganze Schei*ß eigentlich von den Sternen aus betrachtet? 

Mal ehrlich: Tausende Kilometer entfernt, schauen wir doch mal von dort auf die Erde herab. Würde es irgendeinen Stern interessieren, was Lisa da gerade in ihrem Klassenzimmer veranstaltet? Würde ein Stern den ganzen Stress nachvollziehen können? Die Verzweiflung verstehen? Oder auch nur das Problem?
Nein. Und jetzt rate mal, wer GLÜCKLICHER damit ist?

Diesen Perspektivwechsel habe ich als unglaublich tröstend empfunden. 

Also habe ich ein Gedicht daraus geschrieben (ja, noch in der Klassenarbeitsstunde 😬). Manchmal tut es einfach gut, einen Schritt zurückzutreten und die ganze Lage aus einer anderen, möglichst weit entfernten Perspektive betrachten. Denn: Von den Sternen aus betrachtet, spielt das alles gar keine so große Rolle. Um nicht zu sagen: überhaupt keine.

Stattdessen können wir uns die Sterne zum Vorbild nehmen, um an die wirklich wichtigen Dinge zu denken: Lasst uns Licht in die Dunkelheit bringen. Lasst uns Zeit nehmen für unsere Wege. Lasst uns dankbar sein für das, was wir haben. Und vor für diejenigen, die wir bei uns haben. Lasst uns weniger Sorgen über uns und über die Zukunft machen. Einfach erst mal nur leben.


Mehr zu Lisa Freude und ihrem aktuellen Buch, mit dem sie u.a. auf der Frankfurter Buchmesse war, erfahrt ihr in diesem Artikel.


Lisas‘ Gedicht:

Bewundre der Sterne bescheidenen Glanz, in ihrem beseelten Freudentanz. Weisende Lichter der Dunkelheit, zeigen sie’s in Vollkommenheit: Kein Besitz, keine Sorgen, kein “ich” und kein “morgen”. Und jeder Mensch dieser Welt bedenke, still oder laut oder wie er’s vermag: Wer braucht noch Geschenke, der seine Liebsten schon hat?

Ich hoffe, es gefällt dir! Und wenn es dazu beiträgt, dass du dich gut fühlst, umso besser 😊 Lisa Freude.

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