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Von „Nein danke“ zur Chemie-Olympiade: Die unerwartete Story eines GAG-Schülers

  • RBO Aktuell
  • 24. Mai 2026
  • 4 minute read

Von Jakob und Ole (Q1)

Eigentlich sollte es nur um ein paar zusätzliche MINT-Punkte gehen: Engagement nachweisen, Lebenslauf stärken – und fertig. Doch als Leon, Schüler in der Q1 am Graf-Adolf-Gymnasium in Tecklenburg, die Aufgaben der Chemie-Olympiade zum ersten Mal sah, war seine Reaktion eindeutig: „Zu kompliziert!“, und die Sache wurde erst einmal beiseitegelegt.

Einige Wochen später kam das Thema erneut auf – diesmal durch zwei Freunde, die ihn fragten, ob sie die erste Runde nicht gemeinsam angehen wollten. Diese war als Hausaufgabe konzipiert: Vier umfangreiche Aufgaben werden zuhause mit freiem Internetzugang bearbeitet. Ohne Zeitdruck und gemeinsam klang das deutlich machbarer. Leon entschied sich, mitzumachen.

CHEMIE-OLYMPIADE BEIM GAG TECKLENBURG

Im Gespräch in unserem Jahrgang (Q1) beschreibt er den weiteren Verlauf als eine Mischung aus spontanen Entscheidungen, intensiven Lernphasen und unerwarteten Erfahrungen.

VON DER HAUSAUFGABE ZUR KLAUSUR

Nach der ersten Runde folgt die zweite: Es war eine dreistündige Klausur in der Schule ohne Hilfsmittel, mit festgelegten Themenschwerpunkten und einer Grundwissensabfrage. Fachlich ist das bereits ein deutlicher Schritt nach oben – doch was Leon besonders in Erinnerung geblieben ist, ist weniger der Inhalt als das Gefühl während der Prüfung: Allein in einem Raum zu sitzen, an einer Klausur zu arbeiten, die man theoretisch jederzeit abbrechen könnte – ohne Konsequenzen –, sei völlig ungewohnt gewesen. Gerade diese Freiheit habe die Situation fast „lustig“ gemacht, wie er es beschreibt. Ein Kontrast zum sonstigen Schulalltag, in dem Prüfungen meist mit deutlich mehr Druck verbunden sind.

Wer auch diese Runde erfolgreich meistert, erreicht die dritte Runde, in der die besten 45 Teilnehmenden aus ganz Deutschland zusammenkommen. Dort werden sowohl theoretische als auch praktische Prüfungen absolviert. Die vier Besten qualifizieren sich schließlich für die vierte Runde – das deutsche Nationalteam, das jährlich an wechselnden Orten international antritt, in diesem Jahr beispielsweise in Istanbul.

VORBEREITUNG UNTER ZEITDRUCK

Die Vorbereitung auf die zweite Runde begann bei Leon zunächst eher halbherzig. Themen wurden gesichtet, eine Vorjahresklausur geöffnet – und schnell wieder geschlossen. Erst eine Woche vor der Klausur begann die intensive Phase: Aufgaben wurden systematisch durchgearbeitet, fehlende Kompetenzen gezielt aufgeholt. Dabei entstand auch ein reger Austausch mit den betreuenden Chemie-Lehrkräften. Leon stellte zahlreiche Fragen per E-Mail, die zuverlässig und ausführlich beantwortet wurden. Rückblickend beschreibt er diese Woche als die intensivste Lernphase seiner bisherigen Schulzeit.

Auf unsere Frage, was ihn an der Chemie besonders reizt, nennt Leon keinen einzelnen Moment, sondern ein grundlegendes Prinzip: Moleküle folgen festen Gesetzmäßigkeiten – ohne Willen, ohne Bewusstsein – und genau das macht ihr Verhalten erklärbar. Besonders die organische und anorganische Chemie hätten ihn angesprochen, während er die physikalische Chemie als deutlich Mathematik lastiger und herausfordernder wahrnahm.

DAS LANDESSEMINAR: ZWISCHEN FACHLICHEM UND KLASSENFAHRT

Dass Leon am Landesseminar teilnehmen konnte, verdankte er einem Nachrückplatz: Mit 69 Punkten lag er zunächst auf Rang 21 in NRW – nur einen Punkt hinter mehreren anderen. Als ein Platz frei wurde, rückte er nach.

Schon die Anreise hatte ihren eigenen Charakter: Eine verspätete Zugfahrt sorgte für einen leicht holprigen Start, blieb aber ohne größere Folgen. Der Einstieg ins Seminar erfolgte über eine Stadtrallye durch Köln. In Kleingruppen wurden Aufgaben gelöst und kreative Fotos gemacht – eine lockere Möglichkeit, sich kennenzulernen und gleichzeitig die Stadt zu entdecken. Der Abend klang mit gemeinsamen Spielen aus, einem Ritual, das sich durch die gesamte Woche zog und für eine Atmosphäre sorgte, die Leon mehrfach mit einer Klassenfahrt verglich.

Die folgenden Tage waren geprägt von einer Mischung aus fachlichem Anspruch und gemeinschaftlichen Aktivitäten. Es gab Vorträge aus verschiedenen Bereichen der Chemie, die Leon als anspruchsvoll und teilweise auch herausfordernd beschreibt. Gleichzeitig boten Übungsphasen Raum für selbstständiges Arbeiten und eigene Schwerpunktsetzung.

Ein Programmpunkt führte die Gruppe in den Chempark, wo sie Einblicke in industrielle Anlagen erhielt und sich mit Analyseverfahren sowie ökologischen Fragestellungen und deren Regulierung beschäftigte – Themen, die im Schulunterricht so kaum behandelt werden.

Besondere Erinnerungen bleiben auch abseits der klassischen Fachinhalte: In einem Zirkusworkshop konnten die Teilnehmenden unter anderem Feuerspucken ausprobieren und menschliche Pyramiden bauen – eine ungewöhnliche, aber prägende Erfahrung.

DER LABORTAG

Ein Höhepunkt des Seminars war der Labortag. Hier wurde eigenständig experimentiert – mit der Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, aber auch der Herausforderung, mit Fehlern umzugehen. In Partnerarbeit lief zunächst nicht alles nach Plan: Das Produkt war vermutlich zu sauer, die erwartete Farbe blieb aus. Die Situation wurde kurzzeitig frustrierend, doch mit Unterstützung konnte das Experiment erfolgreich zu Ende geführt werden. Am Ende stimmten sowohl Reinheit als auch Ausbeute.

Rückblickend beschreibt Leon diese Erfahrung als typisch für die Chemie: Rückschläge gehören dazu – entscheidend ist, wie man mit ihnen umgeht.

MEHR ALS NUR CHEMIE

Neben dem fachlichen Programm hebt Leon besonders das Gemeinschaftsgefühl hervor. Gemeinsame Abende mit Spielen, Ausflügen, Gesprächen und sogar kleinere nächtliche Erkundungstouren durch die Stadt hätten das Seminar geprägt. Aus zunächst fremden Teilnehmenden wurde innerhalb weniger Tage eine Gruppe – und zum Teil auch Freundschaften, die bis heute bestehen.

Falls ihr’s auch mal probieren wollt…

Auf die Frage, was er anderen empfehlen würde, die überlegen teilzunehmen, betont Leon vor allem einen Punkt: Man sollte sich Mitstreiter*innen suchen. Gemeinsam fällt nicht nur der Einstieg leichter – auch schwierige Phasen werden erträglicher, wenn man merkt, dass andere vor denselben Problemen stehen. Ebenso wichtig sei es, frühzeitig mit der Vorbereitung zu beginnen und die betreuenden Lehrkräfte einzubeziehen. Angebote wie das Online-Training der Olympiade oder Materialien erfahrener Teilnehmer*innen können zusätzlich helfen.

Und vielleicht am wichtigsten: Es ist völlig in Ordnung, nicht alles zu verstehen. Die Teilnahme ist freiwillig – und gerade deshalb sollte die Begeisterung im Vordergrund stehen. Was bleibt? Es hat sich gelohnt – fachlich, methodisch und nicht zuletzt menschlich, teilt das GAG in einer Pressemitteilung mit.

Foto: GAG

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