Kurz nach Sonnenaufgang steigt sie auf. Auf dem Display des Piloten erscheinen dunkle Flächen – Gras, Büsche, Hecken. Und plötzlich ein heller Punkt: Wärme. Ein Rehkitz liegt dort im Feld, im meterhohen Gras.
Wenn Landwirte im Frühjahr ihre Wiesen mähen, beginnt für viele Rehkitze ein gefährliches Zeitfenster. Die Tiere kommen meist im Mai und Juni zur Welt – genau dann, wenn die erste Grünlandmahd ansteht. Ihr natürlicher Schutzmechanismus wird ihnen dabei zum Verhängnis: Statt zu fliehen, drücken sich die Jungtiere instinktiv reglos ins hohe Gras. Für Raubtiere ist das eine gute Tarnstrategie – für Mähwerke nicht.
In Deutschland sterben jedes Jahr tausende Rehkitze auf diese Weise. Moderne Technik soll das verhindern: Drohnen mit Wärmebildkameras fliegen die Flächen vor der Mahd ab und spüren die Tiere auf.
32 REHKITZE GERETTET – BEVOR DER MÄHER KOMMT
Auch im Jagdrevier Brochterbeck IV wird diese Methode inzwischen zum wichtigen Werkzeug.
Bei der Versammlung der Jagdgenossenschaft im Haus Lütke Börding/Schneiders wurde deutlich, wie groß der Effekt bereits ist. Allein im Jagdjahr 2024/25 konnten rund 24 Rehkitze vor dem Mähtod gerettet werden, im darauffolgenden Jahr sogar 32.
Doch der Erfolg hat einen Haken: Drohnenteams sind knapp.
Wenn mehrere Landwirte gleichzeitig mähen wollen – und das passiert bei stabilem Frühsommerwetter häufig –, stoßen die ehrenamtlichen Helfer schnell an ihre Grenzen. Die Technik ist da, die Einsätze aber müssen koordiniert werden, oft innerhalb weniger Stunden.

Die Lösung soll nun aus dem eigenen Revier kommen.
Die Jagdgenossenschaft beschloss einstimmig, eine eigene Drohne mit Wärmebildkamera anzuschaffen. Damit soll die Kitzrettung künftig flexibler organisiert werden. Die Kosten tragen Jagdpächter und der WTL gemeinsam. Geflogen wird die Drohne ausschließlich über den Flächen des Reviers Brochterbeck IV sowie auf den Flächen des WTL.
Die Voraussetzungen dafür sind bereits geschaffen: Die Jagdaufseher wurden im vergangenen Jahr als Drohnenpiloten ausgebildet und übernehmen künftig Einsatzplanung und Betreuung.
Dass sich der Aufwand lohnt, zeigt auch die Entwicklung bundesweit. Seit 2021 fördert der Bund Drohnen zur Wildtierrettung, mittlerweile sind hunderte Geräte im Einsatz. Mit ihrer Hilfe wurden bereits viele tausend Rehkitze vor dem Mähtod bewahrt – allein 2024 rund 15.000 Tiere.
JAGDVERSAMMLUNG IN BROCHTERBECK
Neben dem Blick auf die Wiesen ging es bei der Versammlung auch um Organisation und Zukunft des Reviers. Finanziell steht die Jagdgenossenschaft stabil, wie der Kassenbericht zeigte. Die Prüfer bestätigten eine ordnungsgemäße und beanstandungsfreie Kassenführung. Der Haushaltsplan für die Jahre 2026 bis 2030 wurde einstimmig beschlossen.
Auch bei den Jagdpachtverträgen setzt die Genossenschaft auf Kontinuität. Die Versammlung ermächtigte den Vorstand, die bestehenden Verträge für die Reviere IVa und IVb vorzeitig bis 2042 zu verlängern. In den vergangenen 25 Jahren habe es keinerlei negative Vorkommnisse gegeben, betonte Vorsitzender Thorsten Schneiders. Das Verhältnis zwischen Pächtern, Landwirten und Vorstand gelte als ausgesprochen vertrauensvoll.
ÜBERARBEITETE SATZUNG
Eine weitere Veränderung betrifft die Satzung der Genossenschaft. Das Regelwerk stammte noch aus dem Jahr 1989 und wurde nun umfassend überarbeitet. Nach Abstimmung mit der unteren Jagdbehörde beschloss die Versammlung eine neue Fassung, die künftig Verwaltungsaufwand und Kosten reduzieren soll.

Turnusgemäß wurden außerdem die Vorstandsämter neu gewählt. Jagdvorsteher bleibt Thorsten Schneiders, sein Stellvertreter ist Georg Lütke Börding. Geschäftsführer bleibt Norbert Uhlmann.
Am Ende des Abends ging es dann noch um etwas anderes: Gemeinschaft.
Mehrere Jagdgenossen schlugen vor, die Pächter einmal außerhalb von Sitzungen kennenzulernen. Die Idee wurde sofort aufgegriffen. Am 22. Mai soll auf dem Hof Lütke Börding/Schneiders gemeinsam gegrillt werden.





