538 Kilometer Ungewissheit. Ein radikaler Selbstversuch. Für etwas noch größeres.
Blick aufs Tacho: fast 538 Kilometer. Das Ziel vor Augen: Brochterbeck. Doch die Tage davor waren anstrengend. Beine brennen, Körper schwitzt, Kopf ist Mental am Ende. Startpunkt seiner Reise durch Südwest-Deutschland: Baden-Württemberg.
Sonntag ging es los für Renick. Mit dem Gravelbike. Vor dem 22-Jährigen liegt eine Tour von seiner Tante in Öhringen über Frankfurt, Koblenz, Städte am Rhein, dem Ruhrpott zurück ins Münsterland. Immer mit dem Gravelbike.

Das Verrückteste daran? Wer nach einem minutiösen Zeitplan oder Hotelreservierungen sucht, sucht vergeblich.
EINFACH MAL MACHEN
Die Idee dazu: „Wir saßen mit Freunden zusammen, haben gequatscht“, erzählt Renick. „Irgendwer meinte dann: Wir sind schon bekloppte Socken. Lass einfach mal drauf los. Einfach machen.“ Dann wurde daraus eine Route. Aber kein Plan. Denn Hotels buchte er nicht im voraus.
„Ich habe noch keine einzige Unterkunft gebucht. Zelten werde ich nicht, das packe ich körperlich nach den Etappen nicht mehr. Aber irgendwo finde ich schon was.“
Zwischen 60 und 100 Kilometer will er pro Tag zurücklegen.
Die Reise ist quasi ein Trainingslager für ein größeres Projekt. Im nächsten Jahr plant Renick eine Spendenfahrt. Die aktuelle Tour ist der Härtetest für Mensch und Material.
Er will herausfinden, wie weit der Körper geht, wenn die Motivation stimmt. „Ich fahre einfach unglaublich gerne Fahrrad, seit ich klein bin. Wenn ich das mit etwas Gutem verbinden kann, umso besser.“
DER UNSICHTBARE GEGNER
Drei Radhosen, sieben Oberteile, Flickzeug, Kettenöl, Powerbanks. Die Ausrüstung ist auf das nötigste Rediziert. Sein größter Gegner ist wohl das Wetter. „Ich glaube, die größte Herausforderung wird die Hitze. Und der Moment, wenn an Tag drei der Kopf anfängt dichtzumachen.“
Für den Ernstfall hat er auch eine Idee: „In fast jedem Dorf gibt es einen Bahnhof. Im absoluten Notfall lade ich das Rad eben in den Zug. Aber das ist eigentlich nicht der Plan.“

DAS FINALE IM BLICK
Am Vorabend der Tour wurden nochmal Akkus der Navigationsgeräte geladen, die Kette geölt, der Reifendruck kontrolliert. Über einen eigens eingerichteten Instagram-Kanal wird Renick die Reise dokumentieren.
Seine Freunde und Familie stehen geschlossen hinter der Aktion. Sie haben bei der groben Routenplanung geholfen und die Packliste optimiert. Wenn Renick in einigen Tagen wieder in Brochterbeck einrollt, warten sie bereits.
Auf die Frage, was der erste Gedanke nach der Zieleinfahrt sein wird, muss er nicht lange nachdenken: „Erstmal eine eiskalte Flasche Bier. Und dann eine lange, heiße Dusche zu Hause.“ Danach beginnt sofort die Planung für die Spendenfahrt. Das Abenteuer Deutschland hat gerade erst begonnen.





