Schritt für Schritt in den ersten Job: Diese Erfolgsgeschichten zeigen, wie Inklusion wirklich funktioniert
Der erste Arbeitstag, neue Kolleginnen und Kollegen, unbekannte Aufgaben – für viele Menschen ist das ein großer Schritt. Für Menschen mit Behinderung kann dieser Weg jedoch mit zusätzlichen Hürden verbunden sein. Damit der Einstieg trotzdem gelingt, begleitet das Team der Beruflichen Bildung (BBB) der Ledder Werkstätten die Teilnehmenden individuell – mit dem klaren Ziel, den Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt möglich zu machen.
Eine zentrale Rolle übernimmt dabei Inklusionsbegleiterin und Jobcoach Malin Mohrmann. Sie koordiniert das Übergangsmanagement und unterstützt die Teilnehmenden bei allem, was für den Start in einem Unternehmen wichtig ist – von der Vorbereitung auf Praktika bis hin zu Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen. Da viele bereits in unterschiedlichen Betrieben praktische Erfahrungen sammeln, findet die Übergangsgruppe größtenteils digital statt. Einmal pro Woche kommen die Teilnehmenden als sogenannte Lerngruppe zusammen, um gezielt an Themen wie Bewerbung, Kommunikation oder Vorstellungsgesprächen zu arbeiten.

ZWISCHEN ALPAKAS & ARBEITSALLTAG
Wie erfolgreich dieses Konzept funktioniert, zeigt sich auf der Aabachfarm in Ladbergen. Jeden Freitag sammeln dort fünf junge Männer erste Erfahrungen im Arbeitsleben. Zwischen mehr als 260 Alpakas übernehmen sie gemeinsam mit Hofbesitzerin Elisabeth Freitag einfache, aber wichtige Aufgaben: Tiere füttern, Tränken reinigen oder Ställe ausmisten.
Begleitet werden sie dabei von Fachkraft Sebastian Teepe, der die Arbeitserprobung unterstützt. Ziel ist es, Schritt für Schritt Routine und Selbstvertrauen aufzubauen. Aus einer solchen Arbeitserprobung kann später ein Außenarbeitsplatz oder eine Beschäftigung über das geförderte Budget für Arbeit entstehen.
Elisabeth Freitag sieht darin einen wichtigen Beitrag zur Inklusion. Für sie gehört es selbstverständlich dazu, Menschen mit Behinderung die Möglichkeit zu geben, praktische Erfahrungen zu sammeln und ihre Fähigkeiten zu entfalten.

VOM PRAKTIKUM ZUM FESTEN ARBEITSPLATZ
Dass dieser Weg funktionieren kann, zeigt Jan Jacobs. Er war zuvor in der Lengericher Betriebsstätte Kipp tätig und arbeitet seit dem Winter auf einem Außenarbeitsplatz der Aabachfarm.
Dabei bleibt er weiterhin bei der Werkstatt beschäftigt und hätte jederzeit die Möglichkeit, zurückzukehren. Gleichzeitig sammelt er wertvolle Berufserfahrung in einem regulären Arbeitsumfeld – genau das Ziel, das die Übergangsgruppe verfolgt.
EIN BLICK HINTER DIE KULISSEN GROßER UNTERNEHMEN
Auch Besuche in regionalen Unternehmen gehören zum Konzept. Ende Juni waren die Teilnehmenden zu den Bildungstagen beim Maschinenbauer Windmöller & Hölscher in Lengerich eingeladen. Dort erhielten sie Einblicke in den Betriebsalltag und lernten verschiedene Arbeitsbereiche kennen.
Das Unternehmen bietet bereits Außenarbeitsplätze sowie Ausbildungsplätze im Rahmen des Budgets für Ausbildung an, bei denen die Agentur für Arbeit die Ausbildung unterstützt.
Weitere praktische Erfahrungen sammeln die Teilnehmenden an anderen Einsatzorten. In Ladbergen begleitet Mitarbeiterin Jaqueline Wouters ab August eine Teilnehmerin regelmäßig in der Mensa der Grundschule. Zudem konnten aktuell zwei Personen nach erfolgreichen Praktika dauerhaft auf Außenarbeitsplätze wechseln.
RABEA HAT IHREN TRAUMBERUF GEFUNDEN
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist Rabea Schüttemeyer aus Lengerich. Seit Sommer 2024 nimmt sie an der Beruflichen Bildung teil und arbeitet seit März an zwei Tagen pro Woche als Langzeitpraktikantin im Haus Widum.
Dort unterstützt die 21-Jährige die Tagespflege unter anderem beim Kochen und Backen, begleitet Seniorinnen und Senioren beim Einkaufen oder hilft beim Essen anreichen. Berührungsängste hatte sie dabei von Anfang an keine – im Gegenteil.
„Ich finde es sehr gut“, sagt Rabea über ihre Arbeit mit älteren Menschen. Erfahrungen bringt sie bereits aus ihrem ehrenamtlichen Engagement bei der AWO Lengerich mit.
Auch Andrea Fiege, Leiterin der Tagespflege Hofgarten, ist von ihrer Praktikantin überzeugt: „Rabea ist sehr verlässlich, hat sich gut eingearbeitet. Unsere Senioren freuen sich, wenn sie da ist.“
Perspektivisch möchte sich Rabea zur Alltagshelferin qualifizieren. Ein entsprechender Qualifizierungskurs ist für 2027 geplant und könnte ihr den Weg in eine dauerhafte Beschäftigung ebnen.
GUTE BERUFLICHE BILDUNG
Neben den Praxiseinsätzen erwerben die Teilnehmenden der Beruflichen Bildung weiterhin wichtige Grundlagen für das Arbeitsleben. Arbeitsschutz, fachliche Qualifikationen, Bildungsfahrten und zahlreiche Lerneinheiten gehören ebenso zum Programm wie erste Erfahrungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.
So können die Teilnehmenden bereits während ihrer ersten zwei Jahre unterschiedliche Berufsfelder kennenlernen und herausfinden, welcher Arbeitsplatz am besten zu ihren Stärken passt.
VERANSTALTUNG DER LEDDER WERKSTÄTTEN
Wie Unternehmen von inklusiver Beschäftigung profitieren können, steht auch beim Aktionstag „Neue Talente entdecken – Menschen mit Beeinträchtigungen im Unternehmen“ im Mittelpunkt. Gemeinsam mit der Caritas Emstor-Werkstatt und der Caritas-Werkstatt Langenhorst findet die Veranstaltung am 22. September im Südstadtquartier Ibbenbüren statt.
Unternehmen erhalten dort Informationen über Fördermöglichkeiten, Unterstützung beim Einstieg sowie die Chancen und den Mehrwert, den Menschen mit Behinderung für Betriebe mitbringen.




