In der Bibel wird viel über das Wandern und Unterwegssein berichtet. Jesus wanderte durch Galiläa und nach Jerusalem. Auch werden die vielen Missionsreisen der Apostel oft erwähnt. Moses war vierzig Jahre unterwegs in der Wüste. Unser Leben ist eine Reise mit vielen Begegnungen und mit ständig neuen Herausforderungen. Das häufige Abschiednehmen und Loslassen gehört zu unserem Leben. Von jeder Wegstrecke bleiben uns wertvolle Erinnerungen.
Man ist selten allein unterwegs. Jeder Mensch, dem wir begegnen, hinterlässt Spuren, auch in unserem Leben. Die Gemeinschaft trägt uns und gibt uns das Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit. Ich hatte immer das Gefühl, dass Gott mich auf meinem Lebensweg begleitet und mich ermutigt, Schritt für Schritt weiterzugehen.
MEIN WEG VON INIDIEN NACH EUROPA
Mein Weg begann in meiner Heimat Indien. Nach meinem Philosophie- und Theologiestudium in Indien wurde ich zum Priester geweiht. Nach einem Jahr im pastoralen Dienst schickte mich mein Heimat-Bischof nach Rom an die Päpstliche Lateranuniversität. Dort promovierte ich in Theologie.
Während meiner Zeit in Rom durfte ich außerdem an einem dreimonatigen Kurzprogramm der englischen Universität Oxford teilnehmen. Neben dem Studium übernahm ich seelsorgerische Urlaubsvertretungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Nach sechs Jahren und sechs Monaten in Rom kehrte ich zurück nach Indien. Dort leitete ich vier Jahre lang ein Priesterseminar und arbeitete auch im Bistumsrat mit.
EIN STÜCK HEIMAT IM TECKLENBURGER LAND
Gott führte mich weiter ins Bistum Münster, nach Brochterbeck im Tecklenburger Land. Fast neun Jahre war ich Seelsorger in den Gemeinden. Ich begleitete viele Menschen, die Freude und Leid erlebten. Gottes Wort zu verkünden war auch meine Aufgabe. Viele unterstützten mich und gaben mir ein Gefühl der Wertschätzung.
Wenn ich auf diese Jahre zurückblicke, spüre ich große Dankbarkeit. Viele Menschen sind mir vertrauensvoll begegnet. Die Gemeinschaft und die Gastfreundschaft habe ich sehr schätzen gelernt. Ich hatte immer das Gefühl, zuhause zu sein. Gemeinsam haben wir hier viele Feste gefeiert: Kirmes, Erntedank und Patronatsfeste.
Aktivitäten in Vereinen, Feiern in Familien und vieles mehr haben mich geprägt. Die gemeinsamen Stunden mit meinem Kegelclub waren für mich besonders wertvoll. Dort ging es nicht nur um das Kegeln, sondern vor allem um die Gemeinschaft. Obwohl ich aus einer anderen Kultur und einem anderen Land kam, habe ich mich angenommen und willkommen gefühlt. Viele Türen und viele Herzen haben sich geöffnet und viele Hände wurden mir gereicht. Hier habe ich ein Stück Heimat gefunden. Dafür bin ich von Herzen dankbar.
DER NÄCHSTE SCHRITT: RHEINE
Das Bistum Münster hat mir einen neuen Auftrag gegeben. Mein weiterer Weg führt mich in die benachbarte Stadt Rheine. Jeder neue Weg erfordert Mut, Offenheit und die Bereitschaft für positive Begegnungen und für ein herzliches Miteinander.
So gehe ich nun weiter auf meinem Lebensweg mit vielen schönen Erinnerungen im Herzen und mit großer Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit hier im Tecklenburger Land, in Brochterbeck und in Ibbenbüren.
Wir Menschen sind ständig unterwegs. Wir gehen weiter, von Ort zu Ort, von Begegnung zu Begegnung, von Hoffnung zu Hoffnung. Auf allen Wegen dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott mit uns still, vertrauensvoll und segnend geht, Schritt für Schritt.
Ein herzliches Dankeschön …
Paul Kodannur




