Wie der VfL Osnabrück die Konkurrenz mit frechen Plakaten vorführt
Alles begann mit einem besonderen Geburtstag: Vor genau 25 Jahren sicherte sich der VfL Osnabrück als erster Klub mit diesen drei Buchstaben die begehrte Vereins-Domain vfl.de. Das Silberjubiläum der Webadresse nahmen die Osnabrücker zum Anlass für eine Werbekampagne. Statt gewöhnlicher Social-Media-Grafiken entschied man sich bei den „Lila-Weißen“ für eine Überraschung mitten in den Städten der Liga-Konkurrenten.
STICHELEI GEGEN ABSTEIGER WOLFSBURG
Den Auftakt machte eine Aktion in der Autostadt Wolfsburg. Dort tauchten an mehreren gut sichtbaren Stellen grün-weiße Großflächenplakate auf. Wer hinsah, verortete die Plakate eher beim VfL Wolfsburg, in den Vereinsfarben des Absteigers gehalten, darauf der Slogan „Endlich wieder 2. Liga! Der VfL ist wieder da.“

Die Pointe verbirgt sich hinter einem abgedruckten QR-Code. Wer diesen mit dem Smartphone scannte, landete nicht auf der Website des ehemaligen Deutschen Meisters, sondern direkt auf vfl.de bei den Osnabrückern.
Dort begrüßte der Aufsteiger die Wolfsburger Fans mit den Worten: „Herzlich willkommen auf vfl.de! Klingt nach euch? Gehört aber uns.“ In einem Text erinnerten die Osnabrücker daran, dass sich die Wolfsburger vor 25 Jahren zwar in der Bundesliga etablierten, Osnabrück sich damals aber blitzschnell die kürzere und begehrtere Internetadresse sicherte. Wolfsburgs Marketing-Cheftage reagierte gelassen und zollte den Nachbarn Respekt für die pfiffige Idee.
Nur wenige Tage später folgte der zweite Streich, im Ruhrgebiet. Auch in Bochum tauchten an belebten Knotenpunkten wie dem Lohring plötzlich blau-weiße Plakate auf. Passend zur lokalen Sprache hieß es dort in großen Buchstaben: „Woanders ist nicht immer Scheiße!“ – eine direkte Anlehnung an das im Ruhrpott bekannte Sprichwort „Woanders is‘ auch scheiße“. Darunter zu lesen: „Der VfL ist wieder da.“

VERWIRRUNG IM RUHRBEGIET – BOCHUM WAR DRAN
Auch hier lag die Vermutung nahe, dass es sich um eine Kampagne des VfL Bochum handelte. Und wie schon in Wolfsburg führte der QR-Code überraschte Bochumer Fans direkt nach Niedersachsen. Auf der Landingpage wünschten die Osnabrücker eine gute Saison und luden augenzwinkernd zu den Duellen „anne Castropper Straße“ und an die heimische Bremer Brücke ein.
FANS SCHMUNZELN, BOCHUMS MARKETING MAHNT
In den Fan-Communities beider Städte und im Osnabrücker Umland wird die Aktion begeistert gefeiert. Das Spiel mit den Vereinsfarben und den Namensgleichheiten gilt bei vielen Anhängern als einer der gelungensten PR-Coups der letzten Jahre.
Beim VfL Bochum nahm man den Vorstoß der Niedersachsen allerdings mit etwas verhaltenerer Begeisterung auf. Zwar räumte man auf Führungsebene ein, dass die Idee durchaus amüsant sei, verwies jedoch zeitgleich auf ein ungeschriebenes Agreement unter den Profiklubs: Eigentlich hänge man in den Städten anderer Vereine keine eigenen Plakate auf.
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