Der Morgen ist still in Ledde. Nebel liegt über den Feldern, Vögel zwitschern. Doch seit heute dürfen sie kommen:
„Wenn sich die Gutachter melden, müssen wir sie reinlassen“, sagt ein Landwirt. Sein Hof liegt mitten im geplanten Korridor der neuen Stromtrasse durchs Tecklenburger Land. Bis gestern konnte er noch widersprechen, seit dem 2. März nicht mehr.
Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion hat eine Duldungsverfügung erwirkt. Das heißt: Mitarbeiter von Gutachterbüros dürfen Privatgrundstücke betreten – selbst gegen den Willen der Eigentümer. Und das betrifft sie, besonders hier bei uns in Tecklenburg.
📊 Der Konflikt in Zahlen
Vier Zahlen, die zeigen, warum der Streit um die Stromtrasse die Region bewegt.
Meter breiter Planungskorridor
In diesem bis zu 1 Kilometer breiten Streifen wird geprüft, wo die Leitung später genau verlaufen soll.
Geplante Inbetriebnahme
Ab diesem Jahr soll der Strom aus Offshore-Windparks ins Ruhrgebiet fließen.
Unterschriften gegen die Freileitung
So viele Menschen unterstützen eine Petition für eine Erdverkabelung – zumindest in sensiblen Bereichen.
Mitglieder der Bürgerinitiative
Anwohner aus Ledde und Laggenbeck, die sich organisiert gegen die aktuelle Planung einsetzen.
AMPRION-HOCHSPANNUNGSLEITUNG DURCH TECKLENBURG
Schon im Frühjahr 2025 standen zwei Frauen mit Ferngläsern auf den Feldern. Sie suchten Brutvögel, kartierten Lebensräume, notierten Koordinaten. Ein Vorbote dessen, was kommen soll: eine der stärksten Höchstspannungsleitungen Deutschlands.
Bislang war nur ein rund 1.000 Meter breiter Korridor zwischen Wettringen und Unna festgelegt. Jetzt geht es ins Detail. Wo genau sollen die Masten stehen? Welche Vogelarten leben hier? Welche Flächen sind sensibel?
Für Amprion ist das ein notwendiger Schritt auf dem Weg zur Energiewende. Ab 2034 soll Offshore-Windstrom aus der Nordsee ins Ruhrgebiet fließen. Ein Konverter wird dazu auf dem alten Kraftwerksgelände in Ibbenbüren gebaut, dort, wo früher das Kraftwerk inklusive Kamin stand. Eine Stromautobahn für das Industrieland Nordrhein-Westfalen wird das werden.
„Wir sind nicht gegen die Energiewende“, heißt es von der Bürgerinitiative Ledde-Laggenbeck. „Aber gegen eine Mega-Freileitung mitten durchs Erholungsgebiet.“
📍 Interaktive Karte: Der geplante Trassenkorridor
Zoome in die Region. Bewege deine Maus über die markierten Bereiche.

ROTE KREUZE IM VORGARTEN: WIEDERSTAND IN LEDDE
In Ledde und Laggenbeck stehen rote X vor vielen Häusern. Sie markieren Widerstand. Rund 250 Anwohner haben sich zusammengeschlossen. Ihre Sorge: 70 Meter hohe Masten könnten das Landschaftsbild rund um den Teutoburger Wald dominieren.
Hinzu kommt die Angst vor elektromagnetischen Feldern – auch wenn Amprion betont, alle gesetzlichen Mindestabstände einzuhalten und Gesundheitsrisiken auszuschließen. Der Konflikt verläuft nicht nur entlang von Grundstücksgrenzen, sondern entlang eines größeren Grabens: Vertrauen gegen Zweifel, Fortschritt gegen Heimatgefühl.
Mehr als 20.000 Menschen haben eine Petition an den Bundestag unterschrieben.
Ihr Ziel: zumindest auf dem Kamm des Teutoburger Waldes soll die Leitung als Erdkabel verlegt werden. Auch mehrere Bürgermeister unterstützen das Anliegen.
⚡ Freileitung oder Erdkabel?
Freileitung
- 💰 Günstiger
- ⚙️ Technisch bewährt
- 👁️ Sichtbar im Landschaftsbild
- 🔥 Emotional umstritten
Erdkabel
- 🌍 Kaum sichtbar
- 📈 Politisch populärer
- 💸 Deutlich teurer
- 🚜 Aufwendiger Bau
Der Petitionsausschuss hat noch nicht entschieden.
Und so stehen sie nun da, die Felder von Ledde, die Grundstücke im Tecklenburger Land. Vielleicht kommt noch die „Rettung“, vielleicht aber auch nicht.
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Quellen
Bürgerinitiative Ledde-Laggenbeck gegen Höchstspannung
Amprion
Bezirksregierung Münster
https://380kv-te.de/
www.aktionsbuendnis-89.de/





