Die Kirche ist gut gefüllt, die Bänke knarren leise, als die letzten Gottesdienstbesucher Platz nehmen. Für Pastor Paul Kodannur dürfte es ein schwerer Gottesdienst gewesen sein. Er wird ihnen allen heute sagen, dass er bald nicht mehr da ist. Nicht mehr in Brochterbeck. Für die traurige Meldung, die am 18. Januar veröffentlicht wurde, gab es eine Sperrfrist bis 12 Uhr. Der Gottesdienst ist zu Ende. Jetzt erfahren es auch die anderen Gemeindemitglieder. Pastor Shibu (Paul) Kodannur muss Brochterbeck verlassen. Sie habe viele Gemeindemitglieder sehr überrascht, heißt es darin. Denn damit habe nicht richtig jemand mit gerechnet. Auch nicht mit den Folgen. Denn:
„Im Augenblick sieht es wohl nicht so aus, dass er einen Nachfolger bekommt“, erklärt Pastor Martin Weber. Das bedeute konkret, dass, nach aktuellem Stand, die Anzahl der Messen reduziert werden müsse.
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VERSETZUNG VON PASTOR PAUL KODANNUR – EIN SEHR GESCHÄTZTER PFARRER
Er nimmt eine Sprachnachricht auf. „Anfang Juni werde ich meinen Dienst hier beenden und meinen neuen Einsatz in der Pfarrei in Rheine beginnen“, sagt Kodannur. In Brochterbeck hatte er das Gefühl, dass er hier bleiben dürfe, dass er hier Zuhause sei. „Paul Kodannur wird besonders in Brochterbeck, aber auch darüber hinaus in allen Gemeinden der ganzen Pfarrei sehr geschätzt, und viele werden sehr traurig sein“, so Pfarrer Harmut Niehues in der Meldung vom 18. Januar.
Der Grund, warum Pfarrer Kodannur versetzt wird: Mangel an Pastoren im Raum Rheine. „Wir wissen, dass wir im Pastoralen Raum Hörstel-Ibbenbüren-Lengerich sehr gut mit Priestern aufgestellt sind. In anderen Pfarreien des Bistums dagegen gibt es einen akuten Mangel.“
Die Menschen in Brochterbeck und Ibbenbüren seien Paul Kodannur überaus dankbar für seinen Dienst. Das solle auch bei der Verabschiedung im Juni zum Ausdruck gebracht werden, heißt es schlussendlich in der Meldung.

„HIER DARF ICH BLEIBEN, HIER BIN ICH ZUHAUSE“
Denn seit mehr als sieben Jahren lebt er hier im Golddorf. Ende Dezember hatte er noch in einem persönlichen Brief über das Wort „Zuhause“ geschrieben:„Für mich ist dieser Ort, Brochterbeck, das Bistum und die Pfarrei zu einem echten Zuhause geworden. Hier habe ich nicht nur eine Wohnung gefunden, sondern auch eine Gemeinschaft, die mich trägt.
Menschen, die ihren Glauben miteinander teilen, schenken mir das Gefühl von Heimat. Zuhause ist dort, wo Herz und Leben sich verwurzeln dürfen. In Brochterbeck habe ich dieses Zuhause gefunden – im Miteinander, im Glauben und in der Freude, gemeinsam Kirche zu sein.
Ich fühle mich hier wirklich zuhause. Die Menschen haben mich von Anfang an herzlich aufgenommen und mir das Gefühl gegeben, willkommen zu sein. Ich durfte viele helfende Hände erleben, die mich begleitet und unterstützt haben – sei es im Alltag, in sprachlichen Fragen oder einfach durch ermutigende Worte.
Hier habe ich Freundschaften geknüpft, Respekt und Liebe erfahren und spüren dürfen, wie viel menschliche Wärme in dieser Gemeinschaft lebt. All das schenkt mir Geborgenheit und das tiefe Gefühl: Hier darf ich bleiben, hier bin ich zuhause.“
Hier darf er nun aber nicht bleiben. Leider.







