Seit mehreren Jahren wirkt Pastor Paul Kodannur in Brochterbeck und ist dort tief in Gemeinde und Lebenswelt des Ortes verwurzelt. Seine Erfahrungen in dieser Gemeinschaft, verbunden mit seinem seelsorglichen Blick auf Sprache, Herkunft und Glauben, haben ihn angeregt, dem Begriff „Zuhause“ nachzugehen. In seinem folgenden Brief aus dem aktuellen Pfarrmagazin führt er in die Geschichte dieses Wortes ein und entfaltet, welche menschliche und geistliche Tiefe darin verborgen liegt.
Das Wort „Zuhause“ hat tatsächlich eine interessante Entwicklung:
• Ursprünglich kommt es aus dem Mittelhochdeutschen zu hûse, was wörtlich bedeutet: „bei dem Haus“ oder „im Haus“.
• „Haus“ (ahd. hūs) meinte zunächst nicht nur das Gebäude, sondern den ganzen Lebensraum, die Stätte, an der jemand „beheimatet“ war – also Familie, Herd, Schutz und Versorgung.
• „Zu Hause sein“ hieß also: am eigenen Ort sein, dort, wo man hingehört.
Mit der Zeit hat sich die Bedeutung vertieft:
• Nicht mehr nur das Gebäude ist gemeint, sondern der Ort der Geborgenheit.
• „Zuhause“ wurde zum Synonym für das Innere, für Heimat, Vertrauen, Vertrautheit und Nähe.
Theologisch betrachtet
Das ist spannend, weil das Ursprüngliche – zu hûse, „beim Haus“ – noch offenlässt, was genau dieses Haus ist. In der Bibel wird „Haus“ oft im übertragenen Sinn gebraucht:
• „Haus Israel“ = das Volk Gottes
• „Haus Gottes“ = der Tempel, später die Kirche
• Und Jesus sagt: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen“ (Joh 14,2).
Das bedeutet: Das eigentliche „Zuhause“ ist mehr als vier Wände. Schon die sprachliche Wurzel zeigt: Es ist der Ort, wo man hingehört – und im Glauben heißt das, zu Gott gehören.
ZUHAUSE – LAUT PAUL KODANNUR MEHR ALS EIN ORT
„Zuhause“ – dieses kleine Wort trägt eine erstaunliche Tiefe in sich. Für manche ist es ein vertrautes Haus mit Garten, für andere eine kleine Wohnung über den Dächern der Stadt. Doch im Kern bedeutet zuhause weit mehr als nur vier Wände und ein Dach.
Es ist der Ort, an dem wir uns angenommen fühlen, an dem Erinnerungen hängen, Wurzeln geschlagen wurden und an dem unser Herz zur Ruhe kommt.
Zuhause entsteht überall dort, wo Menschen sich in Liebe begegnen. Es kann in einer Familie wachsen, in einer Freundschaft oder in einer Gemeinschaft.
Manchmal spüren wir es, wenn wir nach langer Reise wieder durch die vertraute Tür treten. Manchmal, wenn ein Lächeln, eine Geste oder ein Gespräch uns das Gefühl gibt: Hier darf ich sein, wie ich bin.
Gleichzeitig kann „Zuhause“ auch eine innere Haltung sein. Wer in sich selbst Frieden findet, trägt ein Stück Heimat überallhin mit. Dann wird das Leben unterwegs nicht zur Fremde, sondern zu einer Reise, die reich macht – weil man den inneren Ort der Geborgenheit immer bei sich trägt.
Zuhause ist nicht einfach ein Platz auf der Landkarte, sondern ein Gefühl im Herzen.
Zuhause – das klingt nach Wärme, Geborgenheit und Ankommen. Für viele bedeutet es Familie, vertraute Menschen und einen Ort, an dem wir uns sicher fühlen.
Doch im christlichen Glauben reicht dieses „Zuhause“ tiefer. Wir alle suchen Orte und Menschen, bei denen wir spüren dürfen: Hier bin ich willkommen, hier darf ich einfach sein.
In jeder echten Gemeinschaft, in jedem Zeichen gelebter Nächstenliebe, leuchtet etwas von Gottes Zuhause auf.

PERSÖNLICH
Seit nunmehr sieben Jahren lebe ich hier in Brochterbeck – und ich darf sagen: Für mich ist dieser Ort, das Bistum und die Pfarrei zu einem echten Zuhause geworden. Hier habe ich nicht nur eine Wohnung gefunden, sondern auch eine Gemeinschaft, die mich trägt.
Menschen, die ihren Glauben miteinander teilen, schenken mir das Gefühl von Heimat. Zuhause ist dort, wo Herz und Leben sich verwurzeln dürfen. In Brochterbeck habe ich dieses Zuhause gefunden – im Miteinander, im Glauben und in der Freude, gemeinsam Kirche zu sein.
Ich fühle mich hier wirklich zuhause. Die Menschen haben mich von Anfang an herzlich aufgenommen und mir das Gefühl gegeben, willkommen zu sein. Ich durfte viele helfende Hände erleben, die mich begleitet und unterstützt haben – sei es im Alltag, in sprachlichen Fragen oder einfach durch ermutigende Worte.
Hier habe ich Freundschaften geknüpft, Respekt und Liebe erfahren und spüren dürfen, wie viel menschliche Wärme in dieser Gemeinschaft lebt. All das schenkt mir Geborgenheit und das tiefe Gefühl: Hier darf ich bleiben, hier bin ich zuhause.
Paul Kodannur







