
„Inklusion ist der Testfall für eine humane Gesellschaft“
Von RBO Aktuell
17. Juni 2026, 21:00 Uhr – 3 Min.
Nur noch wenige Tage, dann geht es los: Vom 3. bis 10. Juli wandern rund 70 Menschen mit und ohne geistige Behinderung von Borken nach Tecklenburg. Die Spendenwanderung, organisiert von der Arche Deutschland e. V., wirbt für ein Miteinander in der Gesellschaft.
Das Motto: Leben ist Begegnung. Schirmherr der Wanderung ist André Ost, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Tecklenburg.
Rund 100 Kilometer, aufgeteilt in sieben Etappen á zehn bis 17 Kilometer, liegen vor den Teilnehmenden. Von der Archegemeinschaft in Tecklenburg wandern zwölf Bewohner/-innen mit, begleitet von sieben Assistent/-innen, wobei vier Bewohner/-innen sich sogar für die ganze Strecke angemeldet haben! Auf das Abenteuer freuen sie sich seit Monaten. Jetzt sind sie dabei, ihre Rucksäcke zu packen und die Wanderstiefel zu schnüren. Übernachten werden sie in einfachen Unterkünften wie Gemeindehäusern oder Turnhallen.
Die ehrenamtlichen Organisatoren der Wanderung haben die Bedürfnisse der Menschen mit schweren körperlichen Beeinträchtigungen mitbedacht und für die nötige Infrastruktur (Begleitfahrzeug für Notfälle, Pflegebetten, Rollstühle) gesorgt. Die Wandertage beginnen mit Frühstück und einem spirituellen Impuls, der auf dem Weg vertieft wird. Abends kocht die Küchencrew eine warme Mahlzeit für alle. Konzipiert ist die Wanderung als Spendenaktion. Das gesammelte Geld wird der Arche-Gemeinschaft in Tecklenburg zugutekommen, wo die Häuser barrierefrei für die älter werdende Bewohnerschaft eingerichtet werden sollen.
Ein paar Fragen an den Schirmherr.
Lieber Herr Ost, was hat Sie motiviert, die Schirmherrschaft für die Arche-Wanderung zu übernehmen?
André Ost: Mit der Arche fühle ich mich verbunden, seit ich 2004 als neuer Pfarrer in die evangelische Gemeinde Tecklenburg kam. Schnell hatte sich damals ein Kontakt zur Tecklenburger Arche-Gemeinschaft aufgebaut.
Von 2006 bis 2014 war ich sogar Mitglied im Vorstand der Arche Tecklenburg. Auch als Superintendent im Kirchenkreis Tecklenburg bin ich regelmäßig in der Gemeinschaft zu Gast, feiere evangelische Hausgottesdienste mit und verfolge alle Entwicklungen. Dass in der Apfelallee mit der „Arche Nova“ jetzt ein neues inklusives Wohnprojekt umgesetzt ist, finde ich großartig. Gerne übernehme ich gerade in diesem Jahr, in dem die Arche Tecklenburg 40 Jahre alt wird, die Schirmherrschaft für die Arche-Wanderung.

Wofür steht Inklusion für Sie?
André Ost: Oft meinen wir, dass Inklusion da anfängt, wo wir konkret etwas für die Rechte und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung tun. Wir uns zum Beispiel für ihre Teilhabe am Arbeitsleben oder Barrierefreiheit einsetzen.
Inklusion beginnt aber nach meinem Verständnis schon viel eher: Sie umfasst Haltung und Sprache. Es kommt darauf an, mit welcher Einstellung wir Menschen mit Handicaps begegnen. Leider entwickelt sich derzeit ein gesellschaftliches Klima, in dem die soziale Arbeit vermehrt nach Kosten und Nutzen verrechnet wird. Doch Menschenrechte und Menschenwürde dürfen nicht nach Kassenlage beurteilt werden.
Unser Bemühen um eine inklusive Gesellschaft darf nicht ausgebremst werden, weil wir uns das angeblich nicht mehr leisten können. Wir tun uns keinen Gefallen, wenn wir die Bedürfnisse von Menschen mit Unterstützungsbedarf nicht mehr genügend berücksichtigen. Inklusion ist der Testfall für eine humane Gesellschaft.

Was wünschen Sie den Teilnehmenden der Arche-Wanderung 2026?
André Ost: Ich wünsche allen viel Freude an der Gemeinschaft und den Begegnungen während der Wanderung. Und ich hoffe, dass sich manch eine und einer auf dem Weg ansprechen lässt, damit die Arche-Bewegung noch bekannter und der Kreis der Unterstützer immer größer wird.







